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Rösten und Sieden
Über Jahrhunderte gehörte Alaun zu den wertvollsten Rohstoffen Europas. In der Region um Saalfeld wurde er in einem aufwendigen Verfahren aus schwarzem Alaunschiefer gewonnen. Erfahren Sie, wie aus dunklem Gestein leuchtend weiße Kristalle entstanden.
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Der Abbau von Alaunschiefer begann in der Region um Saalfeld bereits um das Jahr 1550.
Die Herstellung der faszinierenden weißen Alaunkristalle aus schwarzem Alaunschiefer war aufwendig und brachte oft nur geringe Erträge. Heute ist Alaun kaum noch bekannt. Über viele Jahrhunderte gehörte er jedoch zu den begehrtesten Rohstoffen Europas.
Schon in der Antike wurde Alaun als Flammschutzmittel verwendet. Die Römer schätzten ihn außerdem als Beizmittel, mit dem sich Farbstoffe dauerhaft in Stoffen – etwa in ihren Togen – fixieren ließen. Noch vor gut hundert Jahren war Alaun in vielen Haushalten und Handwerksbetrieben zu finden. In der Papierherstellung diente er lange als wichtiger Zusatzstoff. Seit dem Mittelalter war er besonders für Gerber unverzichtbar, die damit Ziegen- und Schafsleder haltbar machten und geschmeidig hielten. Auch in der Medizin spielte Alaun eine bedeutende Rolle: Er wurde unter anderem zur Behandlung von Haut- und Darmerkrankungen sowie zum Stillen von Blutungen eingesetzt.
Alaun ist zwar ein Mineral, kommt in der Natur jedoch nur selten in reiner Form vor. Bevor im Mittelalter in Europa Alaunschiefer abgebaut wurde, stammte der begehrte Rohstoff aus dem Nahen Osten, aus Ägypten und aus Konstantinopel. Dort gewann man ihn aus Alaunstein, auch Alunit genannt.
Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 gerieten die Handelswege im östlichen Mittelmeer unter türkische Kontrolle. Dadurch stieg der Alaunpreis in Europa sprunghaft an. Nur wenige Jahre später entdeckte man jedoch bei Tolfa nahe Rom große Alunitvorkommen im damaligen Kirchenstaat.
Der Papst erkannte schnell den wirtschaftlichen Wert dieses Rohstoffs. Bis 1510 besaß der Kirchenstaat praktisch ein Monopol auf die Alaunproduktion. Der Kauf von Alaun aus muslimisch beherrschten Gebieten war verboten, da er als Unterstützung des Gegners galt. Wer sich darüber hinwegsetzte, musste sogar mit der Exkommunikation rechnen.
Umso bedeutender war die Entdeckung, dass sich Alaun auch aus schwarzem Alaunschiefer gewinnen ließ. Die Herstellung erfolgte in mehreren Schritten: Rösten, Auslaugen und Kristallisieren. Trotz des großen Aufwands waren die Ausbeuten häufig gering, sodass viele Alaunwerke schon nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wurden.
Weiße Kristalle aus schwarzem Gestein
Zunächst wurden der zerkleinerte Alaunschiefer und große Mengen Holz zu mächtigen Haufen aufgeschichtet und entzündet. Dieser kontrollierte Schwelbrand erforderte viel Sauerstoff, musste aber langsam und gleichmäßig verlaufen. Dafür war die Erfahrung eines sogenannten Röstmeisters unverzichtbar.
Nach dem Rösten wurde das Material mit Wasser befeuchtet und über längere Zeit der Witterung ausgesetzt.
Anschließend löste man die enthaltenen Salze aus dem Gestein, indem man das Material in großen hölzernen Bottichen mit Wasser auslaugte. Erst bei diesem Arbeitsschritt entstand der begehrte Alaun. Die gewonnene Lösung wurde anschließend in das Siedehaus gebracht.
Dort kochte man sie in großen Bleipfannen über offenem Feuer ein. Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt, damit sich die Alaunlösung immer weiter konzentrierte.
Zum Schluss hängte man Stäbe oder Schnüre in die heiße Flüssigkeit. An ihnen bildeten sich nach und nach die weißen Alaunkristalle. Nach dem Trocknen wurden sie in Ton- oder Holzbehältern gelagert und anschließend transportiert.