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Das heilende Wasser des Berges

Das Wasser der Feengrotten prägt nicht nur die Höhlen, sondern auch ihre Geschichte. Es wurde als Heil- und Mineralwasser genutzt und führte schließlich zur Entdeckung und Erschließung der Feengrotten als Besucherattraktion.

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Der berühmte Arzt Galen schrieb bereits in der Antike: „Wasser besitzt die Eigenschaften der Gesteinsschichten, durch die es fließt.“ Dieses Prinzip zeigt sich auch in den Feengrotten. Hier gibt es sowohl stark mineralisierte Heilwässer als auch schwächer mineralisierte Quellen, die als Trinkwasser genutzt wurden.

Auf der Suche nach dem Ursprung dieser Quellen fasste im Jahr 1910 eine kleine Gruppe von Männern Mut und betrat das stillgelegte Bergwerk. Alte Grubenpläne existierten nicht mehr, und die früheren Zugänge waren inzwischen verschüttet. Der einzige Weg führte durch einen etwa hundert Meter langen Stollen. Unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen arbeiteten sie sich Schritt für Schritt in das Innere des Bergwerks vor.

Zu ihrer großen Überraschung entdeckten sie die heutigen Quellgrotten und den Ursprung der unterirdischen Quellen. Chemische Untersuchungen bestätigten den hohen Mineralgehalt und den medizinischen Wert des Wassers. Zunächst plante man deshalb, an diesem Ort ein Heilbad zu errichten. Doch die außergewöhnliche Schönheit der Grotten überzeugte Adolf Mützelburg, den Begründer des Feengrottenparks, die Höhlen stattdessen für Besucher zugänglich zu machen. Am 31. Mai 1914 konnten die ersten Gäste die Feengrotten besichtigen.

Neben dem touristischen Betrieb wurde zwischen 1928 und 1964 auch Mineralwasser aus den Feengrotten abgefüllt. Unter dem Namen „Saalfelder Heilquellen“ wurde es deutschlandweit vertrieben. Durch seine besondere Zusammensetzung aus Phosphor, Arsen, Eisen und Sulfat galt es als wirksames Heilwasser und wurde unter anderem bei Gicht, Gallenleiden, Nervenerkrankungen, Blutarmut und Stoffwechselstörungen eingesetzt.

Im Jahr 1964 begann die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft Wismut mit der Erkundung von Uranvorkommen in der Umgebung der Feengrotten. Dafür wurden zahlreiche Tiefbohrungen niedergebracht. Nach Abschluss der Arbeiten verschloss man die Bohrlöcher jedoch nicht ausreichend. Dadurch verlagerte sich das stark mineralisierte Heilwasser in andere Gesteinsschichten und konnte nicht länger gefasst werden.

Das schwächer mineralisierte Wasser der Grube wurde dagegen bereits von 1933 bis 2005 als Quellwasser unter dem Namen „Saalfelder Gralsquelle“ abgefüllt und verkauft. Als die Nachfrage das natürliche Wasserangebot überstieg, wurde 1939 eine weitere Tiefbohrung angelegt. Der ehemalige Abfüllstandort gehört heute zum Grottoneum. Dort können Sie das Mineralwasser noch immer in seiner ursprünglichen Form probieren – und sich selbst ein Bild von seinem charakteristischen Eisengeschmack machen.

Ocker ist ein natürliches Pigment, das je nach Zusammensetzung blassgelb bis gelbbraun erscheint. Seit Jahrtausenden wird es als Farbstoff verwendet. Ocker kommt in vielen unterschiedlichen Formen in der Natur vor. Chemisch entsteht er durch die Verwitterung eisenhaltiger Gesteine und enthält große Mengen wasserlöslicher Eisenoxide.

Nach der Schließung des Bergwerks im Jahr 1855 erwarb der Saalfelder Unternehmer August Wohlfarth das Gelände im Jahr 1867. Er staute das Grubenwasser im Entwässerungsstollen und gewann daraus Eisenocker – ohne zu wissen, woher dieser eigentlich stammte. In seiner Fabrik in Saalfeld wurde der Ockerschlamm getrocknet und zu Farbpigmenten verarbeitet, die unter anderem für Fassadenanstriche verwendet wurden.

Das Unternehmen war bis 1909 mäßig erfolgreich. Da die Ausbeute an Ocker jedoch immer geringer wurde, lohnte sich die Produktion schließlich nicht mehr und wurde eingestellt. Damit endete die Nutzung der mineralischen Rohstoffe des Bergwerks „Jeremias Glück“.

Dennoch blieb der austretende Ockerschlamm bei der Bevölkerung beliebt. Ihm wurden heilende Eigenschaften zugeschrieben, und seit dem 20. Jahrhundert wird er mit großem Erfolg zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt – unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen.

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